Dr Karlheinz Bayer

Arzt und Reim

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Gedanken

Es ist ein wunderbares Ding, daß die Gedanken so was tun:

durch unser beider Köpfe gehen ohne auszuruhn,

und daß dieselbe Frage dann, obwohl an zwei gestellt

nicht gleich und trotzdem beiden wohlgefällig ausfällt.

Es ist ein sonderbares Ding, daß es wohl Menschen gibt

die irgendetwas, aber kein Gedanke schiebt.

Nichtlesend und nichtdenkend, sicher auch nicht schreibend

erscheint ihr Tun so ganz und gar nur Zeit vertreibend.

Es ist ein herrliches, und für mich höchst wertvolles Ding,

daß ich so manchen der Gedanken von Dir schon auffing,

und ich genieße auch, wie Du in meinen eignen blätterst,

egal ob Du sie magst oder dagegen wetterst.

… es gibt viele Gelegenheiten, um zu schreiben.

manchmal werden daraus Buecher, manchmal Leserbriefe oder richtige Briefe.

viele Probleme lassen sich loesen, indem man die Literatur studiert

– so sind meine Veroeffentlichungen entstanden.

aber dann tauchen Probleme auf, die man nicht wissenschaftlich angehen kann.

Hartz IV ist so eins, oder der Umstand, dass jemand stirbt.

Hartz IV und sterben, Asyl oder Alzheimer betrifft ja keine Puppen, sondern

reale Personen – und es gibt sie nicht, die nur irgendwelchen Patienten.

alle hinterlassen auch bei mir Spuren.

wie kann man damit zurechtkommen?

fuer mich habe ich in den Gedichten eine Moeglichkeit gefunden, Probleme aus mir herauszulassen …

Der Krebs

Lange hatt´er sich angekündigt.

Anfangs wars Kribbeln, später dann Schmerzen

irgendwo links oder unter dem Herzen.

Ich habs geleugnet. Hab damit gesündigt.

Lange war er schon in mir gewesen.

Fast wie ein Freund war er eingezogen,

blieb dann als Feind und hat mich betrogen.

Ich sah ihn, konnte ihn nie vergessen.

Langsam hat er sich dann meiner bemächtigt,

Zug um Zug hat er sich sich eingenistet

und mehr und mehr meine Zeit befristet.

Widerstand war eigentlich nie berechtigt.

Lang wird es nicht sein, dass ich ihm noch trotz.

Eigentlich hat er schon jetzt gewonnen.

Die letzten Tage haben längst begonnen,

sinnlos wär´s heult ich Wasser und Rotz.

Längst ist der Lebenssinn anders geworden,

kämpfen nutzt garnichts und die Kräfte sie fehlen.

Fügen muss ich mich, was zu tun ist gut wählen.

Viel Zeit ist nicht, um mein Leben zu ordnen.

Leben heisst sterben lassen.

Maria sass da, hört sich an, was dort stand.

Sie sah mich winden, weil die Worte ich nicht fand.

Und dann nahm sie irgendwann meine Hand,

ein Griff, welcher dauerhaft uns verband.

Sie schloss dann den Brief, hat ihn nie mehr gesehen,

beschloss in der Stund, andre Wege zu gehen.

Mich bat sie ganz offen, diese mitzugehen,

was mir schwerfiel, ich muss es eingestehen.

Sie sass lange so da, schön wie zu allen Tagen

die ich sie damals kannte, und sie stellte mir Fragen.

Sie verpflichtete mich, stets die Wahrheit zu sagen,

schliesslich bat sie mich, mit ihr den Rest zu wagen.

Und ich dachte und rechnete, wog einfach ab

welche Chancen noch blieben, was zu tun es noch gab.

Doch es gab nichts. Und damals schon sprach sie vom Grab,

vor dem ich heute steh, das allein ich noch hab´

von Maria.

Hartz IV

Hartz IV ist sicher für was gut,

doch leider fehlt mir noch der Hut

um ihn zu ziehen vor Hartz IV,

so trink ich lieber ein Glas Bier.

Zwei Menschen im Fünf-Sterne-Hotel

Klaglos stand sie im Abfall, ertrug die Gerüche

in dem Bundesland, das ihr Asyl gewährt,

im Fünf-Sterne-Hotel mit Fünf-Sterne-Küche,

hat als Arbeitskraft sie sich schon längst bewährt.

Doch in einer sehr frühen Morgenstunde,

Sterne standen noch hoch am Himmelszelt

hat man sie fortgebracht aus unserer Runde,

weg in eine, wie sagt man doch, ihre Welt.

Sterne sah sie an Polizistenjacken

über dem Wappen des Landes hier,

grad noch Zeit gab man ihr, ihre Sachen zu packen.

Sind die Wappen und Sterne nicht eigentlich wir?

Aber wir, mein Freund, sag, wer ist hier bereit,

wer schon hindert es, sie hier von uns zu entfernen?

Wie es scheint, ist es offenbar nicht ihre Zeit.

Wann die kommt, steht, so heisst es wohl, in ihren Sternen.

Im Fünf-Sterne-Hotel sitzt erneut der Minister

dieses Landes, fernab von dem Tagesgeschäft.

Teuer ist das Menu, und wie gerne doch isst er,

während sie schon per Flugzeug das Land verlässt.

Blut an meinen Händen

Gemeinhin mag es den Beigeschmack haben

von Töten und Morden und Schänden.

Ich will aber trotzdem und glücklich jetzt sagen:

ich habe Blut an den Händen.

Ich folgte den Spuren der blutigen Tropfen

und drückt’ mit der Schulter die Türe ein,

weil klar wurde, hier bräucht’ ich nicht mehr zu klopfen;

er starb mir zwar, aber er starb nicht allein.

Im Strassenrand, wo man sie schließlich fand

verschloss ich die blutenden Wunden,

es ging um Minuten. Ihr wacher Verstand

hatt’ fast in den Tod sich gefunden.

Ein kleiner Kopf kam aus der Vagina, schrie,

kohlrabenschwarz, blutig faltig und warm,

mein Herz schlug, dies Schreien vergess ich nie,

und dann hatte ich einen Menschen im Arm.

Der Tropfen Blut an der Morphiumspritze,

ein Beweis wohl für das was ich eben tat

für den sterbenden Mann neben dem ich sitze,

weil auch das Teil des letzten Wunsches war.

Es sind die Momente, für die man lebt

um etwas zum Guten zu wenden.

Momente, in denen das Blut anklebt,

und kleben darf ! An meinen Händen.

Der Autist

Stundenlang.

Er wiegt sich und wiegt sich und beugt sich zur Seite,

er hört nicht und sieht nicht, fixiert doch die Leute

mit den flüchtigen Blicken.

Niemals, so scheint es, ist er bei der Sache,

keiner will sagen ob er schläft oder wache,

wiegt sich und wiegt sich selbst bei größtem Krache,

stundenlang.

Stundenlang blickt immer wieder das Auge

sekundenlang ’rüber im Takte des Schaukelns,

und er mustert Dich gründlich für Augenblicke,

mit bretthartem Nacken und steifem Genicke,

Du selbst folgst seinem Takte und siehst nicht die Blicke,

die lebenslang aus diesem Käfig schauen, und

die stundenlang nur für Sekunden sich trauen

das Wiegen und Wiegen kurz abzubauen,

für Sekunden.

Analyse

Meschugge is der FROMM

wos haisst wie a Kondomm;

sollt er sich zinken REICH

dann wär er fast mir gleich.

Anna FREUD tut mir leid,

sie hatt´den ersten Penisneid.

JUNG könnte sogar verstehn,

dass es dem Führer unmöglich ist,

dass er ihn verstehen lassen darf.

(Aber das reimt sich nicht…)

Intressant, intressant

und fast schon charmant.

Versteh ich Sie wohl?

Trinken´s Alkohol?

 

Fight the evil, kill Saddam!

peace to pieces, my dear mom,

not Bush citylimits,

stop Bush! give´m limits!

Grönland

liebesgedichte

epistula-ad-albiem-boream

die-ballade-von-knut-und-gabriel


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